Wort zu Ostern aus dem Pfarrbereich Ronneburg

von Frau Pfarrerin Gabriele Schaller

Deinen Tod, o Herr, verkünden wir,             
und deine Auferstehung preisen wir,
bis du kommst in Herrlichkeit.

Liebe Gemeinde,
mit diesem Bekenntnis – von uns gemeinsam in jeder Feier des Heiligen Abendmahls gesprochen – grüße ich Sie und euch herzlich zum Osterfest. Kurz und treffend bringt dieses Wort zum Ausdruck, was die Christenheit zu Ostern feiert: Den Sieg der Liebe Gottes über alle zerstörenden Kräfte des Lebens.

Karfreitag und Ostern gehören zusammen. Nur so sind beide Festtage zu verstehen. Ohne die Ostererfahrung, dass Gott Jesus aus dem Tod erweckt hat, wäre das Kreuz Jesu kein Hoffnungszeichen. Im Gegenteil, es stünde für die Ohnmacht des mitfühlenden Gerechten gegenüber all der Willkür der Mächtigen und des Lebens. Durch die Begegnung mit dem Auferstandenen wurde das Kreuz zum Symbol der Liebe Gottes, die stärker ist als alle Macht des Todes. Der Weg Jesu in vertrauensvoller Liebe zu Gott und seinen Geschöpfen hat sich als der Heilsweg Gottes erwiesen, weil er die Tür zum Leben und zur Zukunft ist.

Das diesjährige Motiv zu Karfreitag und Ostern - „Unter dem Kreuz im Licht“ – setzt diese Wahrheit ins Bild. Eine schwarze Wand wird durch ein lichtes, farbiges Kreuz aufgebrochen. Es ist sowohl die Tür zu einem finsteren Raum, als auch das einzig Sichtbare und Licht Spendende in ihm – ein Raum im Raum.

Die schwarze Wand, der dunkle Raum erinnern mich an unsere gegenwärtige Situation. Die Corona-Krise weltweit versetzt Menschen in Angst, auch bei uns. Eine Seniorin fragte mich: „Soll ich meinen Pflegedienst jetzt besser abbestellen? Jeden Tag kommt doch eine andere. Da ist das Risiko doch viel zu groß!“ Auf der anderen Seite kann sie gar nicht ohne deren Hilfe im eigenen Haus leben.

Die Menschen, die in unserer Gesellschaft jetzt besonders geschützt werden, sind dennoch bedroht - vom Virus und der Ausnahmesituation. Sie sehnen sich nach einer direkten Begegnung, nach Austausch und Zuspruch, nach ihren Lieben und den gewohnten Kreisen.

Der Blick in die Zukunft ist gegenwärtig wie ein Blick in einen dunklen Raum. Viele fragen sich: Mit welchen Folgen der Corona-Krise müssen wir rechnen?
Unter dem Kreuz im Licht stehen wie die junge Frau auf dem Bild - dazu lädt es mich ein.
Sich öffnen dem sichtbaren Geheimnis Gottes, dem Gekreuzigten und Auferstandenen.
So offen wie die junge Frau dasteht, habe ich den Eindruck, sie genießt diesen Ort der Kraft und den Segen, den sie hier empfängt.
Sehr berührt hat mich die Schilderung eines 38jährigen Arztes aus der Lombardei.*

Nicht in seinen dunkelsten Albträumen hätte er sich vorstellen können, was er in den letzten Wochen in seinem Krankenhaus erleben musste. Bis vor kurzem waren er und seine Kollegen Atheisten. Es war völlig normal, dass sie es waren, die Wissenschaft schloss für sie die Existenz Gottes aus. Er hat darüber nur gelächelt, dass seine Eltern in die Kirche gingen. Dann kam ein 75jähriger Priester zu ihnen ins Krankenhaus. Ein freundlicher Mensch. Er brachte eine Bibel mit. Er las den anderen vor und hielt den Sterbenden die Hand. Das beeindruckte sie, auch wenn sie selbst zu müde und zu erschöpft waren, um ihm zuzuhören. Eines Tages gestanden sie sich ein: „Wir sind an unsere Grenzen gekommen … Zwei unserer Kollegen sind gestorben, andere infiziert … Um uns herum nur Krankheit und Tod … Wir brauchen Gott.“
Sie redeten miteinander und können es bis heute noch nicht glauben, dass sie als Atheisten jetzt jeden Tag auf der Suche nach Frieden sind. Dass sie Gott bitten, ihnen zu helfen und Kraft zu schenken, damit sie sich um die Kranken kümmern können. Sechs Tage nicht zu Hause gewesen zu sein und kaum etwas gegessen zu haben, ist zurzeit ihr Alltag. Dennoch gute Arbeit leisten zu können, kommt einem Wunder nahe.
„Sich unter das Kreuz stellen“ ist eine alte, fromme Redewendung. Bisher war sie für mich der Ruf zur Demut, meine Grenzen wahrzunehmen. In unserer gegenwärtigen Zeit verstehe ich sie anders.
„Sich unter das Kreuz stellen“ bedeutet mir nun, die Gemeinschaft mit Gott wahrnehmen. Im Kreuz Jesu wird deutlich, Gott will nicht das Gegenüber zu uns Menschen sein, sondern er stellt sich uns gleich. Er nimmt die Erfahrung von Ohnmacht, Ausgrenzung und Sterben auf sich. Selbst Gottesferne und Zweifel sind ihm nicht fern. Der Grund dafür ist seine unerschütterliche Liebe für uns Menschen. Sie ist die Kraft, die stärker ist als der Tod.

Etwas von dieser Liebe ist in diesen Tagen auch unter uns zu spüren, z. B. in den Fastenpredigtbriefen, die uns seit den Einschränkungen im öffentlichen Leben aus Haselbach wöchentlich erreichen. Aber auch im sonntäglichen Läuten der Kirchenglocken in Ihren Gemeinden. In vielen Orten wird dazu auch die Kirche für das persönliche Gebet geöffnet; in Ronneburg sogar jeden Abend 19.00 Uhr.
Jugendliche bieten ihre Hilfe alten Menschen an.  Und Musikbegeisterte wollen mit ihrem regelmäßigen Spiel Dank und Ermutigung verbreiten. Jeden Abend nach dem 18-Uhr-Läuten erklingen von Kirchturm Ronneburg die Melodien bekannter Choräle und Volksweisen, gespielt auf der Trompete in alle vier Himmelsrichtungen.  Weit über die Stadt hinaus sind sie zu hören.
Wie Karfreitag und Ostern zusammengehören, bezeugt der junge italienische Arzt. Der 75jährige Priester ist zwar gestorben, aber trotzdem hat er es geschafft, ihnen einen Frieden zu bringen, den sie nicht mehr zu finden hofften. Er ist froh, zu Gott zurückgekehrt zu sein – unter dem Kreuz im Licht zu stehen.

Es ist nicht so einfach, unser christliches Osterfest Außenstehenden zu erklären. Jahr für Jahr fragen sie wieder: Was feiert ihr eigentlich zu Ostern? Sie können es sich nicht merken, vielleicht, weil es bisher viel zu weit von ihrer tagtäglichen Erfahrung entfernt war. Gut, dass es unsere Kirchen und Feste gibt, die die Botschaft von Kreuz und Auferstehung verkünden. Gottes Heiliger Geist erfülle unsere Welt mit seiner Liebe und Gemeinschaft.
Amen.

Ihnen ein gesegnetes Osterfest in einer anderen Form.
Herzlich grüßt Sie Ihre Pfarrerin Gabriele Schaller

 

Fürbittengebet

Gott,
es tut uns gut zu hören, dass du stärker bist als der Tod.
Wir bitten dich,
mach uns stark im Glauben an deine Zusage,
wenn wir umfangen sind vom Tod mitten im Leben,
wenn unsere Zweifel die Hoffnung zu ersticken drohen,
wenn wir keinen Ausweg sehen.
Gott,

es tut uns gut zu hören, dass du vom Tod ins Leben führst.
Wir bitten dich,
lass uns Wegweiser zum Leben sein,
wo Versöhnung nicht möglich scheint,
wo verhärtete Fronten zu Sprachlosigkeit führen,
wo das Streben nach Profit blind macht.

Gott,
es tut uns gut zu hören,
dass dein Sohn von den Toten auferstanden ist.
Wir bitten dich,
lass uns von Ostern erzählen,
denen, die von ihrer Trauer überwältigt werden,
denen ihre Einsamkeit zur Sackgasse wird,
denen, die keine Perspektive sehen.

Gott,
du bist der Weg, die Auferstehung und das Leben.
Amen.


Quellennachweis: *Die Zeit,  Nr. 14, 26.03.2020, S. 58

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