2. Sonntag nach Ostern, Misericordias Domini, 26.04.2020

aufgezeichnet in der Raitzhainer Kirche von Hagen Herold Andacht, Pfarrerin Gabriele Schaller Orgel, Kantor César Gustavo La Cruz

Liebe Frauen und Männer unseres Kirchspiels,
auch wenn ab Sonntag, dem 26.04.2020, wieder Gottesdienst in unseren Kirchen stattfinden können, so wollen wir doch an der guten Tradition der Haselbacher Fastenbriefe festhalten und den Gemeinden unseres Kirchspiels und darüber hinaus, sonntägliche Andachten in Schriftform und als Podcast zur Verfügung stellen. In Ronneburg wird an diesem Sonntag der erste Gottesdienst wieder um 10.00 Uhr in der Marienkirche gefeiert werden. Aber ich weiß, nicht allen ist es möglich, an öffentlichen Gottesdiensten wieder teilzunehmen.

Ich bin der Kirchengemeinde Raitzhain mit ihrer wunderbaren Poppe-Orgel sehr dankbar, dass sie es uns ermöglicht, diese Andacht aufzuzeichnen.
Marlen Vogel, Vorsitzende des GKR Raitzhain, , grüßt Sie alle herzlich zu diesem Sonntag des Guten Hirtens. Unser gemeinsamer Wunsch ist, dass diese Andacht dazu beiträgt, den Guten Hirten in dieser schwierigen Zeit zu entdecken.
Kantor César Gustavo La Cruz spielt für uns die Orgel. Ich habe in den letzten Wochen erlebt, wie viel Kraft und Trost der Klang der Orgel in unserer Marienkirche Menschen spendet. Etwas von dieser Freude möchten wir mit Ihnen teilen.
Grit Weidner sendet allen, die es wünschen, den Podcast zu. Sie finden ihn zeitnah auch auf unserer Website: www.kirchengemeinde-ronneburg.de.
Ich danke ihr herzlich für ihr unermüdliches Engagement, dass Gottes Wort Sie erreicht.
Herzlich grüßt Sie
Ihre Pfarrerin Gabriele Schaller

Andacht für 2. Sonntag nach Ostern

Spruch der Woche aus Joh. 10:
Christus spricht: Ich bin der gute Hirte.
Meine Schafe hören meine Stimme,
und ich kenne sie und sie folgen mir;
und ich gebe ihnen das ewige Leben.
Mit diesem Zuspruch lasst uns diesen Sonntag in der österlichen Freudenzeit feiern:
Im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Amen.

Lied: EG 100, 1-5 „Wir wollen alle fröhlich sein

Psalm 23, EG.E 40
Der Herr ist mein Hirte,
mir wird nichts mangeln.
Er weidet mich auf einer grünen Aue
und führt mich zum frischen Wasser.
Er erquickt meine Seele.
Er führt mich auf rechter Straße um seines Namens willen.
Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal,
fürchte ich kein Unglück:
denn du bist bei mir,
dein Stecken und Stab trösten mich.
Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde.
Du salbst mein Haupt mit Öl und schenkst mir voll ein.
Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang,
und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.
Amen.

Evangelium: Joh. 10, 11-16 (27-30)

Lied: EG 117, 1-3 Der schöne Ostertag

Predigt zu Joh. 10
Liebe Gemeinde,
bekannte Worte der Bibel durchziehen den heutigen Gottesdienst und prägen die neue, vor uns liegende Woche mit dem Urbild des Guten Hirtens, der guten Hirtin.
Nicht nur Juden und Christen sind vom diesem Bild geprägt, das bis in den alten Orient zurückreicht. Es ist ein Urbild der Menschheit. Oft ist es das Bild für den idealen Herrscher und für die rettende Richterin. So wünscht man sich bis heute – ganz besonders in Krisenzeiten - die Persönlichkeiten, die für andere Verantwortung tragen, sie führen und leiten. Schon in vorbiblischen Zeiten gab es gute Hirten und gute Hirtinnen unter den Menschen.
Eine Frau aus unserer Gemeinde sagt hin und wieder: „Ich wäre gern wie die Richterin Debora - eine Mutter in Israel.“Auf unsere Zeit übertragen: eine gute Mutter in der Gemeinde – sowohl der kommunalen als auch der christlichen.
Ich bin beeindruckt von der Sehnsucht dieser Frau. Von dem Bild, das sie leitet. Von der Sehnsucht, eine verantwortliche Aufgabe in unserer Gesellschaft wahrzunehmen. Jetzt, da ich darum weiß, entdecke ich, sie ist es. Natürlich nicht immer, aber hier und da. Nicht aufgesetzt, sondern stärkend, so wie ich Jesus als guten Hirten verstehe. Sie weiß mit den Müden zu reden, ihnen Mut zuzusprechen, für sie zu beten. Ihre Worte berühren, treffen ins Schwarze.
Das bekannte Wort Jesu macht mich ruhig. Es tut mir gut zu hören: Christus spricht: Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir;und ich gebe ihnen das ewige Leben.

Eine große Gelassenheit spricht aus diesem Wort: Jesus nimmt seine Rolle wahr, keine Angst!
Ebenso höre ich das große Vertrauen Jesu in seine Herde. Er ist sich sicher: Wer zu ihm gehört, weiß wohl zu unterscheiden, was die Stimme Jesu ist und was nicht. Wie beruhigend! Wir müssen Jesus nicht ersetzen, ihm auch nicht nachhelfen. Er ist da für uns und unter uns in großer Ruhe und mit Lebenskraft. Auch wenn wir Abstand halten müssen, hält er uns zusammen und gibt uns die Orte, die wir brauchen, um wieder Mut und Freude zu schöpfen.

Auf der einen Seite ist das öffentliche Leben für manche bis an die Schmerzgrenze heruntergefahren, auf der anderen Seite gibt es aber auch so viele wunderbare, kreative Aufbrüche in unserer Gemeinde und Gesellschaft.

Eine Kirchenälteste erzählt mir begeistert, wie sie es mit ihrem Mann genießt, am Sonntagmorgen in aller Ruhe beim Frühstück den Podcast der aktuellen Sonntagsandacht zu hören. Wie bereichernd die Vielfalt der Andachten ist und wie wohltuend die Verbundenheit mit denen, die ihn ebenfalls hören und die ihn ausgearbeitet und aufgezeichnet haben.

In einem unserer Dörfer kommen wöchentlich ein paar Gemeindeglieder zusammen, um am Sonntagmorgen gemeinsam den aufgezeichneten Gottesdienst zu hören.
Als das Gottesdienstverbot in Kraft trat, habe ich überlegt, was können wir als Kirchengemeinde einer kleinen Stadt wie Ronneburg anbieten. Da bekam ich vom Initiator der ökumenischen Aktion „Licht der Hoffnung. Wir halten uns fern und sind einander nah“ – die Informationen zu diesem Abendgebet. Ich dachte sofort, das passt zu Ronneburg. Das kann ich auch über längere Zeit durchhalten. Die erste Woche war ich allein in  der Kirche, öffnete weit ihre Eingangstür, zündete die Kerzen an, läutete 19.00 Uhr die Glocken, hielt mein Abendgebet und sang für mich: „Der Mond ist aufgegangen“ zum Abschluss.

Nach dieser Woche kam zufällig eine Frau vorbei, fragte mich, ob ich das jeden Abend mache. Da sie schon lange jemanden suche, mit dem sie regelmäßig beten kann, würde sie gern mitmachen. Nun waren wir eine Woche jeden Abend zu zweit in der Kirche. Ab und zu kam mal noch ein Kirchenältester, eine Kirchenälteste vorbei, die ein Anliegen hatten. Sie wussten ja, da treffen sie mich sicher an.

Eines Freitags kam mein Nachbar und bat mich, an die Orgel zu dürfen. Er wollte an der Aktion der Musiker*innen teilnehmen, die mit ihrer Musik ihren Dank für all die ausdrücken, die jetzt in der Corona-Krise sich bis an die Grenzen ihrer Kraft einbringen, um diese zu bewältigen.
Danach bat er mich fast täglich, an der Orgel üben zu dürfen. Mehrmals traf er uns beim Abendgebet. Schließlich erkundigte er sich bei uns, ob wir jeden Tag hier beten würden. Als wir es bejahten, fragte er, ob er nicht auch dazukommen könnte.
Mit ihm kam die Musik der Orgel in die Kirche. Sie füllte den großen Raum der Marienkirche und machte ihn noch einmal ganz anders zu einem Ort der Begegnung mit Gott. Als ich im Urlaub war haben dann die beiden, das Abendgebet „Licht der Hoffnung“ weitergeführt.
Miteinander haben wir eine kleine liturgische Form entwickelt, die über diese Zeit hinaus reichen soll. Mit der Aufhebung des Gottesdienstverbotes ab diesen Sonntag werden wir das Abendgebet nicht mehr täglich halten, aber doch es als Musikalisches Abendgebet einmal in der Woche donnerstags 19.00 Uhr feiern.
Bei unseren Abendgebeten sind wir über unseren Glauben ins persönliche Gespräch gekommen. Eines Tages sagte mein Nachbar: „Wissen Sie, Frau Pfarrerin, ewiges Leben verstehe ich so, dass ich meine Gaben nutze, um Menschen Kraft und Freude zu bringen.
Wenn ich einmal nicht mehr da bin, dann erinnern sie sich vielleicht an mich oder führen etwas weiter, was ich angeregt habe. Was halten Sie davon?“
Ich spürte, wie seine Worte meine Angst vor dem Tod relativierten, meine Angst vor der Bedrohung durch das Virus. Ich stimmte ihm zu: „Nicht der Tod ist das schlimmste, sondern das Gefühl keinen Sinn im Leben mehr zu finden.“
Mein Nachbar wurde mir in dieser Begegnung zum guten Hirten, der mich tröstete und ermutigte. „Wer hätte das vor einem halben Jahr gedacht?“, würde ein Kirchenältester aus Ronneburg dazu bemerken.
Bei den ersten Abendgebeten war ich unsicher: Ist das wirklich etwas für unseren Ort? Dass daraus ein kleiner Aufbruch für unsere Gemeinde entstanden ist, ist für mich ein Zeichen, dass Jesus als guter Hirte unter uns ist, uns führt und verbindet. Er beruft uns, füreinander zu guten Hirtinnen und Hirten zu werden.
„Christus spricht: Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben.“
Amen.

• Lied: EG 358, 1-3. 6 Es kennt der Herr die Seinen

• Fürbittengebet + Vaterunser
Du guter Hirte, Jesus Christus.
Wir sehnen uns danach,
den Weg zu kennen,
der in ein erfülltes Leben führt.
Stärke unser Vertrauen in dich.
Stehe denen mit deiner Weisheit bei,
die uns regieren,
die über uns bestimmen,
die unser Wohl wollen.
Zu dir rufen wir: EG 178, 10 Herr, erbarme dich …
Du guter Hirte, Jesus Christus.
Wir sind gefangen in unserer Sorge.
Du siehst die Ängste der Welt.
Schau auf die Menschen,
die keinen Ausweg sehen -
auf der Flucht,
in Lagern,
im Krieg.
Schau auf die Menschen,
die kein Zuhause haben,
wo sie Schutz finden.
Und schau auf die,
für die der Schutzraum zur Gefahr wird.
Zu dir rufen wir: EG 178, 10 Herr, erbarme dich …
Du guter Hirte, Jesus Christus.
Sieh unseren Glauben!
Sieh unsere Hoffnung!
Erfülle uns mit deinem Geist,
dass wir in den Fremden unsere Schwestern
und Brüder erkennen.
Sei bei deinen Menschen weltweit:
bei unseren Nachbarn im Ramadan.
bei unseren Geschwistern in der Ferne.
bei unsere Gemeinde, deiner Kirche.
Dir vertrauen wir,
du bist bei uns,
bei dir wird uns nichts mangeln.
Erbarme dich,
heute und alle Tage.
Zu dir rufen wir: EG 178, 10 Herr, erbarme dich …

Vater unser im Himmel …
Amen.

Segen
Gott segne dich und behüte dich.
Er lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.
Er erhebe dein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.
Amen.

 

Die Andacht zum Downloaden als pdf-Datei

Suche


 

Kirchenkreis
Altenburger Land

Superintendenturbüro

Geraer Straße 46
04600 Altenburg
Telefon: 03447/89580-12
Fax: 03447/89580-11
Email: kirchenkreis-altenburgerland@ekmd.de

 

Öffnungszeiten des
Superintendenturbüros

Zur Zeit auf Grund der Corona-Pandemie nur telefonisch und per Email erreichbar.