Predigt zum Ostermontag 2020

von Vikar Jonas Zanke, Pfarrbereich Gößnitz

Gnade sei mit uns und Friede von dem, der da ist und der da war und der da kommt.

Als die Jünger aber von ihm redeten, trat er selbst mitten unter sie und sprach zu ihnen: Friede sei mit euch! Sie erschraken aber und fürchteten sich und meinten, sie sähen einen Geist. Und er sprach zu ihnen: Was seid ihr so erschrocken, und warum kommen solche Gedanken in euer Herz? Seht meine Hände und meine Füße, ich bin's selber. Fasst mich an und seht; denn ein Geist hat nicht Fleisch und Knochen, wie ihr seht, dass ich sie habe. Und als er das gesagt hatte, zeigte er ihnen seine Hände und Füße.
Da sie es aber noch nicht glauben konnten vor Freude und sich verwunderten, sprach er zu ihnen: Habt ihr hier etwas zu essen? Und sie legten ihm ein Stück gebratenen Fisch vor. Und er nahm's und aß vor ihnen. Er sprach aber zu ihnen: Das sind meine Worte, die ich zu euch gesagt habe, als ich noch bei euch war: Es muss alles erfüllt werden, was von mir geschrieben steht im Gesetz des Mose und in den Propheten und Psalmen. Da öffnete er ihnen das Verständnis, dass sie die Schrift verstanden.

Lukas 24, 36-45


Liebe Schwestern und Brüder,
hatten Sie schon einmal das Gefühl, einer Situation ausgeliefert zu sein? Sie haben etwas erlebt, aber alles geschah so schnell um Sie herum, dass es schon vorbei war, bevor Sie überhaupt gemerkt haben, was passiert ist?
Die Jünger, denen Jesus begegnet, kommen mir so vor. Gerade unterhalten sie sich noch über ihn, da steht er plötzlich da, spricht zu ihnen und isst. Während sie es gar nicht fassen können, ist er, so schnell wie er da war, auch schon wieder weg. Ich stelle mir vor, wie sie mit großen Augen und offenen Mündern versuchen, alles zu verarbeiten, was sie da sehen.
Jesus muss allerhand unternehmen, um sie zu überzeugen: Er zeigt ihnen seine Wunden, er isst etwas, er erinnert sie daran, was er gesagt hat, bevor er gestorben ist. Aber den Jüngern fällt es in diesem Moment schwer, das zu verstehen. Allen Beweisen zum Trotz.
Ja, es gibt solche Momente, die eine gewisse Zeit der Verarbeitung benötigen. Als vor einigen Wochen klar wurde, dass wir eine Pandemie erleben werden, da dachte ich auch, dass es sich um einen solchen Moment handelt. Und am Anfang war es auch so: Alles geschah so schnell, dass es sich anfühlte, als könne man nur zuschauen. Auch da gab es einige, denen die Beweise nicht gereicht haben. Die es einfach nicht glauben konnten oder wollten.
Aber in einem Punkt unterscheidet sich diese Situation. Sie dauert viel länger. Es ist eben nicht so, dass alles vorbei ist, bevor man merkt, was passiert. Weniges fühlt sich noch so an, wie vorher. Es gibt Kinder, die noch nie so viel Zeit mit ihren Eltern verbracht haben. Familien, deren Alltag plötzlich so ganz anders ist als vorher. Büros, die plötzlich aus verschiedenen, per Internet verbundenen Wohnzimmern bestehen. Freunde, die sich nur noch über das Internet sehen können. Aber auch Trennungen. Menschen, von denen niemand Abschied nehmen kann und die, denen die Einsamkeit zu schaffen macht. All das wird eine lange Zeit der Verarbeitung brauchen. Wenn irgendwann der Alltag wieder ungefähr so sein wird wie vorher, dann werden wir uns fragen müssen: Was ist da eigentlich passiert?
Die Jünger haben sich die Frage schon gestellt, bevor Jesus bei ihnen auftauchte. Als Jesus am Kreuz gestorben ist, stürzte sie das in eine tiefe Krise. Bis vor kurzem sind sie ihm noch überall hin gefolgt und waren sich sicher, dass er der Messias ist. Doch sein qualvoller Tod nimmt ihnen diese Sicherheit. Sie sind verzweifelt.
Und auf einmal - da steht er. So lebendig, wie es nur geht, mit einem Fisch in der Hand. Die großen Augen und die offenen Münder der Jünger wandeln sich in ein freudiges Lachen. Es wirkt fast so, als würden sich gleich alle umarmen. Als ob sich Freunde nach einer langen Zeit endlich wiedersehen. Ich stelle mir vor, wie Jesus sagt: "Hier bin ich wieder, lasst uns dort weitermachen, wo wir aufgehört haben."
Doch so geht es im Text nicht weiter. Tatsächlich wirkt es auf mich fast schon nüchtern, wenn es heißt:
"Er sprach aber zu ihnen: Das sind meine Worte, die ich zu euch gesagt habe, als ich noch bei euch war: Es muss alles erfüllt werden, was von mir geschrieben steht im Gesetz des Mose und in den Propheten und Psalmen. Da öffnete er ihnen das Verständnis, dass sie die Schrift verstanden."

Keine große Feier, kein fröhliches Beisammensein. Wenn ich ein Jünger wäre, und Jesus würde wieder vor mir stehen, dann würde ich doch lieber ein großes Fest veranstalten. Aber davon ist keine Rede. Und das hat seinen Grund, denn es wird nicht so werden wie vorher.
Jesus spricht von sich schon in der Vergangenheit:  Das sind meine Worte, die ich zu euch gesagt habe, als ich noch bei euch war. Die Tage, die er mit seinen Jüngern verbrachte, sie sind vorbei, auch wenn er in diesem Moment noch vor ihnen steht.
Aber, er gibt ihnen noch etwas auf den Weg: Endlich verstehen sie, was passiert ist. Was Jesus gemeint hat. Die Schrift muss erfüllt werden und sie hat sich erfüllt. Sein Tod war kein sinnloser Tod, denn er starb für sie, für uns alle. Und er ist auferstanden. Sie haben es begriffen und können diese Botschaft weitertragen.
Aus diesem Ereignis spricht großes Vertrauen. Jesus sagt den Jüngern sozusagen: "Ab jetzt liegt es an euch." Sie haben und bekommen alles, was sie brauchen. Das ist die Botschaft an diesem Ostermontag. Gott gibt auch uns das, was wir in unserem Leben benötigen und er vertraut uns, dass wir damit verantwortungsvoll umgehen.
Und das gilt insbesondere in diesen schwierigen Zeiten, in denen wir Ostern nicht so feiern können, wie wir es gewohnt sind und in denen es schwer ist, zu begreifen, was um uns herum geschieht.

Der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.
Amen

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