Andacht zum 1. Sonntag nach Trinitatis I Haselbach, 14.06.2020

Mirko Weisser, Prädikant

Schön, dass Sie uns heute wieder zuhören und die Andacht lesen. Und so lassen Sie uns diese Andacht feiern im Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Wir wollen am 1. Sonntag nach Trinitatis den Blick auf unsere Nächsten richten: „Dies Gebot haben wir von ihm, dass, wer Gott liebt, dass der auch seinen Bruder liebe“. Und seine Schwester.
„Christus spricht: Wer euch hört, der hört mich; und wer euch verachtet, der verachtet mich." (Lukas 10, 16 a)
Psalm 34 2-11 nach Peter Spangenberg
Ich will den Herrn loben allezeit.
Mein Leben lang will ich weitererzählen, wie großartig Gott ist, und strahlende Lieder über ihn sollen immer in meinem Herzen wohnen.
Mein innerstes Leben soll so leuchten, dass andere Menschen Mut beziehen, wenn es ihnen schlecht geht.
Feiert doch mit mir zusammen diese Freude, dass es ein Fest wird aus Liebe zu Gott.
Gott gibt Obhut denen, die ihn lieben, und umgibt sie schützend wie ein Engel; dann ist er ganz da.
Mit allen Sinnen können wir wahrnehmen, wie gut Gottes Geschenke sind.
Wer so glaubt, der fällt nicht aus dem Leben heraus.
Wenn man viel besitzt und viel Geld hat, ist man innerlich sehr arm, weil die
Angst regiert.
Kinder können das am besten verstehen, wenn Gott sagt: Kommt, ich will es
euch erklären!
Ihr wollt doch Freude am Leben haben und immer wissen, dass das Leben
Sinn hat.
Gebt acht, dass ihr immer wahrhaftig bleibt, also an der Wahrheit haftet.
Tut Gutes und haltet stets Ausschau nach Frieden. Jagt hinter ihm her, bis ihr ihn habt.
Dann kann euer Herz ruhig mal traurig werden, und eure Gefühle können völlig durcheinander geraten, dass ihr euch zerschlagen fühlt und am Ende.
Das kann sehr wehtun. Aber Gott holt euch da wieder heraus und nimmt euch die Last von der Seele.

Apostelgeschichte 4, 32-37

32 Die Menge der Gläubigen aber war ein Herz und eine Seele; auch nicht einer sagte von seinen Gütern, dass sie sein wären, sondern es war ihnen alles gemeinsam.
33 Und mit großer Kraft bezeugten die Apostel die Auferstehung des Herrn Jesus, und große Gnade war bei ihnen allen.
34 Es war auch keiner unter ihnen, der Mangel hatte; denn wer von ihnen Land oder Häuser hatte, verkaufte sie und brachte das Geld für das Verkaufte
35 und legte es den Aposteln zu Füßen; und man gab einem jeden, was er nötig hatte.
36 Josef aber, der von den Aposteln Barnabas genannt wurde – das heißt übersetzt: Sohn des Trostes –, ein Levit, aus Zypern gebürtig,
37 der hatte einen Acker und verkaufte ihn und brachte das Geld und legte es den Aposteln zu Füßen.

Andacht
Neulich beim Rasenmähen da war es plötzlich da. Es ist mir vorher noch nie aufgefallen, aber da ist es mir förmlich ins Auge gesprungen: Dieses Gänseblümchen. Ich hielt an, stellte den Motor des Rasenmähers ab und kniete mich hin, um dieses kleine Blümchen zu betrachten. Wie schön es doch aussieht. Es brachte mich zum Nachdenken: Allzu oft übersehe ich diese Schönheit. Ich sehe im Alltäglichen nicht das Besondere. Als ich meinen Blick über die Wiese dann schweifen ließ, sah ich noch viel mehr Gänseblümchen und andere Blumen. Auf einmal war die Wiese voller bunter Farbtupfer. Herrlich diese Vielfalt, diese Farben und Formen. Dieser wunderbare verschwenderische Überfluss.
Ihr Lieben, wie oft begegne ich Menschen, die ich nicht weiter beachte. Die ich wahrscheinlich auch nicht sehen will. An denen ich mit offenen Augen vorbeilaufe und doch nicht sehe. Die ich zwar höre, aber ihnen nicht zuhöre. Menschen, die mir nicht auffallen. Menschen die man in der Meng übersieht. Nicht heraushört und ihnen nicht zuhört, nicht zuhören will. Oder auch nicht zuhören kann, weil ich zu sehr mit mir selbst beschäftigt bin. Und doch hat Gott jeden einzelnen von uns so besonders gemacht. Jeder für sich ist anders und liebenswert. Jeder mit seiner eigenen Geschichte, seinen eigenen Facetten und Sehnsüchten. Jeder mit seinen Ängsten und Sorgen. Jeder so besonders und beschenkt mit Gaben – Liebenswürdig! Liebenswert!
Und auch andersherum: Manchmal denke ich, dass ich übersehen werde. Dass niemand mich hört. Dass meine Meinung nichts zählt. Das niemand sich für mich interessiert, ganz so wie mich andere oftmals  nicht kümmern.
Wie schön, dass Gott da so anders ist. Dass ER unsere Vorstellungskraft übersteigt. Von IHM werden sie, werden wir, jeder einzelne gesehen und gehört. ER sieht uns und weiß, wie es uns geht. ER hört uns. ER hört uns zu. Zu IHN können wir kommen, ER ist bei uns und steht uns zur Seite. Und ER liebt uns. ER hat es schon getan als wir nur ein Gedanke von IHM waren und wird es auch noch nach dem letzten Augenblick unseres irdischen Lebens tun.
Wie viel anders wäre unsere Welt, wenn einer, wenn wir den anderen sehen und keiner übersehen wird. Eine schöne Vorstellung, wenn einer auf den anderen Acht gibt. Eine Welt, in der wir Menschen miteinander leben und nicht nur nebeneinander. Wenn wir das Verbindende, das Liebenswerte sehen und nicht das Trennende. Eine Welt, in der wir wie es in der Apostelgeschichte heißt „ein Herz und eine Seele, sind“. Die Jünger und mit ihnen die ersten Gläubigen haben versucht so zu leben, wie es Jesus ihnen beschrieben hat. In Einheit und in Eintracht. Gemeinschaft mit der ganzen menschlichen Verschiedenheit.
Wie leicht und doch wie schwierig das ist, sehe ich an meinen Kindern. Einmal spielen sie in wunderbarer Harmonie zusammen und ich denke mir, dass sie nichts auseinanderbringen kann. Und nur Augenblicke später aus einer Nichtigkeit heraus ergibt ein Wort das andere und ein heftiger unerbittlicher Streit entbrennt zwischen ihnen. Wenn ich dann frage, warum sie streiten und ob sie sich nicht wieder gut sein können, dann geht es bei ihnen erstmal nur um die Schuldfrage. Na klar, immer hat der andere der Streit angefangen. Immer ist der andere schuld. Und einzulenken und einen Schritt auf den anderen zuzugehen fällt ihnen auch nicht gleich ein. Jeder beharrt auf sein „Recht“. Aber das Schöne bei Ihnen ist, dass sie sich dann doch meistens auch schnell wieder vertragen können. Und sie dann wieder miteinander so umgehen, als ob nichts gewesen ist. Sie sind nicht nachtragend. Dann sind sie wieder „ein Herz und eine Seele“. Das scheint ja dann doch nicht ganz so schwer zu sein. Wenn das bei Kinder funktioniert. Dann ist das doch eigentlich ganz einfach.
Eigentlich ist das ganz einfach. Doch leider sind wir „Großen“ zu sehr in unseren eigenen Kontexten gefangen, aus denen nur schwer herauszukommen ist. Viele sehen zuallererst sich. Das sehe ich bei den Mächtigen, wenn z.B. nach dem Verursacher der derzeitigen Pandemie gesucht wird. Schuldige scheinen schnell gefunden und werden öffentlich in vielfältiger Weise angeprangert. Dann heißt es schnell und laut: „Die … sind schuld.“ Aber ändert das was an der Situation? Es werden Sanktionen angedroht. Was nachfolgend daraus entstehen kann, ist noch nicht absehbar. Es wird nur das eigene Land, die eigene Familie, das Ich gesehen. Und das sehe ich leider auch bei mir, wenn ich neidisch auf andere schaue, was die sich so alles leisten können und es denen vermeintlich besser geht als mir. „Das haben die doch gar nicht verdient.“ denkt sich da schnell. Aber brauche ich das, will ich das denn alles überhaupt? Geht es mir denn schlechter, wenn es anderen gut geht? Es lässt sich dann schnell auf unsere individualisierte Gesellschaft schieben. „Das ist eben so gewachsen, da kann man eh nichts tun.“ Wir müssen nicht darüber wie es gerade ist verbissen werden. Das nutzt nichts. Wir sind Teil dieser Gesellschaft. Wir können sehr wohl sehr viel tun. Wenn ich denke, dass meine Meinung richtig ist, dann muss ich den anderen auch eine eigene Meinung zugestehen und wir können gemeinsam versuchen uns zu verstehen.
Als Christen wissen wir ja wie es gehen kann, gehen soll: Jesus hat es vorgelebt. ER hat seinen Jüngern von Gottes wunderbarem Reich erzählt. Und dass das in dieser Welt schon beginnt. Wir sind ein wichtiger Teil davon und sollen Teil haben dabei. Liebe wendet sich den anderen furchtlos und freigiebig zu. Wir empfangen selbst oft so viel davon und können es getrost weitergeben. Die Liebe in uns wird dadurch nicht weniger. Diese Liebe urteilt und verurteilt nicht vorschnell. Sie versucht zu verstehen. Und wenn wir denken, wir haben nichts oder können nichts tun – Doch das können wir. Wir können füreinander beten.
Dann sind wir eine Gemeinde. Dann sind wir eine Kirche. Dann sind wir „Ein Herz und eine Seele“
JA es ist wichtig, Jesus im Blick zu haben. ER ist das Zentrum unseres Glaubens, das Herz der Kirche und der Mittelpunkt der Gemeinde.
Wir können von den ersten Christen lernen, wie das geht: Auf das schauen, was uns verbindet. Dann können wir im Glauben und Hoffen und Lieben einig mit Gott und mit uns und den Menschen um uns sein.
Das muss keine Utopie sein. Da haben Neid, Schuldzuweisung und Ungerechtigkeit keinen Platz. Jesus sagt es uns doch, wie es geht. Glaube und Gottvertrauen. Gott lieben bedeutet auch, meinen Nächsten lieben. So wie er oder sie ist. Ja, mein Glaube, mein Gottvertrauen ist behaglich. Doch er darf nicht nur das individuelle Wohl im Blick haben. Es muss nach außen gehen. Es muss die anderen, die neben mir in den Blick nehmen. Wir können nicht als Christen nur für uns in unserer eigenen Welt leben. Wir sind Teil dieser Welt und können den Blick öffnen, den Blick weiten. Es gibt da dieses Sprichwort: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.“ Den Worten sollen Taten folgen. Taten durch und mit Liebe. Die ersten Gemeinden haben sich umeinander und füreinander gesorgt. Das war und ist echte Gemeinschaft bei Gott.
Es geht dabei nicht allein um finanzielle und materielle Dinge. Es geht um das Sehen des Anderen, des Nächsten und um das Zuhören und Zuwenden. Füreinander Beten. Das ist nicht nichts. Jeder hat Fehler und Schwächen, aber auch Gaben und Können. Das gilt es zu erkennen und füreinander einzusetzen. Es liegt ein großer Segen auf Gottes Gemeinde. Das Wirklichkeit werden zu lassen, ist der Beginn von Gottes wunderbarem Reich bereits hier bei uns auf der Erde.
Es ist kein Traum - es ist das wahre Leben bei und mit Gott. Wenn einer den anderen sieht und keiner mehr übersehen wird. So wie Gott uns sieht und bei uns ist allezeit.
Übrigens, Ihr Lieben, ich habe das Gänseblümchen beim Rasenmähen dann stehen lassen und viele andere Blumen auch. Jetzt habe ich keinen Golfplatzrasen mehr, dafür aber bunte Farbtupfer. Die bunte Vielfalt, die da zusammen steht ist wunderschön. Sie soll mich immer wieder dafür aufmerksam machen, wie überfließend Gottes Fantasie ist, wie groß seine Güte und Liebe zu uns sind. Immer und überall. Ich muss nur genau hinsehen.  Amen

Fürbitte
Noch bevor wir suchen, bist du da Gott.
Bevor wir dich rufen als Vater, hast du uns wie eine Mutter geheilt.
Wenn wir Herr sagen, gibst du dich als Bruder zu erkennen.
Es ist gut dir nahe zu sein.

Lieber Herr Jesus, sprich zu denen, die mit Waffen, Worten und Geld über die Völker herrschen. Sprich, damit sie sich zum Frieden bekehren. Wir denken an die Menschen in Hongkong und im Iran und den USA. Lieber Herr Jesus, sprich zu denen, die für ihre Macht den Tod der Armen in Kauf nehmen. Sprich, damit sie sich zum Leben bekehren. Wir denken an die Flüchtlinge auf dem Mittelmeer und die Seenotretter. Wir bitten:
    Stärke und hilf uns Herr
Lieber Herr Jesus, sprich zu denen, die mit ihrem Wissen die Welt besser machen können und die auf der Suche nach einem Medikament gegen das Coronavirus sind. Sprich, damit sie deiner Schöpfung dienen. Sprich, Jesus Christus, sprich zu denen, die unter den Folgen des Klimawandels leiden. Steh ihnen bei. Wir denken an die Menschen in den Dürregebieten und an die, die unter Hitze und Unwetter leiden. Wir denken an die Hungernden
und die Obdachlosen in unserer Nachbarschaft. Wir bitten:
    Stärke und hilf uns Herr
Lieber Herr Jesus Christus, so oft sehen wir nur uns und nicht die Anderen um uns her. Lass uns aufmerksam füreinander werden und sehen, was wir brauchen und füreinander da sein. Wir bitten:
    Stärke und hilf uns Herr
Lieber Herr Jesus, Du nimmst uns an mit unseren Fehlern und Schwächen, und mit unseren Stärken und Können. Lass uns das bei anderen erkennen und sie annehmen, dass wir in deiner Gemeinde „Ein Herz und eine Seele“ werden. Nicht immer sind wir ein Herz und eine Seele. Wo gemeinsames nicht gelingt, zeige uns Wege aufeinander zu. Trage uns unter deinem Wort zusammen, damit wir gemeinschaftlich handeln. Wir bitten:
Stärke und hilf uns Herr            
Amen.

Vater unser im Himmel,....

Das ist vorerst unsere letzte regelmäßige Andacht. Schön, dass Sie, das ihr uns begleitet habt in dieser Zeit der Beschränkungen.
Es ist immer wieder eine Freude, diese Andachten zu gestalten. Es ist eine wunderbare wertvolle Gemeinschaft hier im Team entstanden. Danke euch. Danke an unseren himmlischen Vater, dass wir hier seinen Geist spüren können.

Segen

Bleiben Sie behütet und zuversichtlich. Gott ist mit uns. Wir hören uns

 

Die Andacht zumDownloaden als pdf-Datei.

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