Fremde Heimat Kirche

Bericht der Superintendentin für die Kreissynode des Kirchenkreises Altenburger Land

am 24. März 2018

 

Kirche ist Heimat. Ihre Gebäude sind Heimat. Die Liturgie ist Heimat und für manchen ist auch ein Bibelwort Heimat, ein Vaterunser oder ein Gebet. Kirche ist Heimat und sie ist zugleich fremd.

Sie ist für viele Einwohner unser Dörfer und Städte etwas, das sie mit Abstand betrachten. Kirche ist dieser Welt fremd, weil Glaube nicht in der Welt aufgeht. Und Entscheidungen der Kirche in ihren gewählten Gremien befremden zuweilen auch.

Fremde Heimat Kirche.

160 Tage bin ich jetzt im Amt. Was ich erlebe war mir zum Teil vertraut, anderen teils fremd.

Ich erlebe Ehrenamtliche, die seit Jahr und Tag für ihre Kirche im Ort Hand anlegen, sich kümmern, Bauprojekte in Gang setzen, Gebäude renovieren. Und die sich danach sehnen, dass ein Pfarrer vor Ort ist, auch wenn die Gemeinden immer kleiner werden.

Das Ringen der Gemeinde Saara um den Erhalt der Pfarrstelle kann ich als Ausdruck dieser Sehnsucht verstehen. Finanziell aber ist dem Kirchenkreis dort keine Möglichkeit gegeben, personell alles beim Alten zu belassen. Einen Antrag dazu werden wir heute noch einmal verhandeln müssen, weil der Aufhebungsbeschluß für die Pfarrstelle Saara seinerzeit fehlte.

Das Erfreuliche bei all den Schwierigkeiten ist, wir haben an jedem Ort Menschen, die sich darum kümmern, dass es mit der Kirche weitergeht und Angebote gemacht werden für Kinder und Senioren, dass Gesprächskreise stattfinden und Gottesdienste.

In Nöbdenitz und auch in der Gemeinde Haselbach ist mir das bei meinen Besuchen sehr deutlich geworden.

Was ich auch wahrnehme ist hier und da eine große Traurigkeit bei Haupt- und Ehrenamtlichen, weil die jahrelange Mühe um den Erhalt der Gemeinde und alle investierte Kraft nicht dazu geführt hat, dass sonntags die Kirchen voll sind, dass mehr Konfirmanden im Ort sind. Dass Menschen dazukommen.

Wir sind als Kirche in einer Region tätig, die zu kämpfen hat: mit Armut und Überalterung und ich frage mich, wie realistisch ist es, von einer vollen Jugendkirche zu träumen, wenn im Dorf nur noch zwei drei Kinder wohnen?

Wir haben im Kirchenkreis 14.602 Gemeindemitglieder. 274 davon sind zwischen 0-5 Jahren. 928 zwischen 6-15 Jahren. Fast 50 % unserer Mitglieder (7109 Gemeindeglieder) sind über 60 Jahre alt.

Und knapp 80.000 Einwohner des Landkreises sind konfessionell nicht gebunden. Arbeit gibt es also genug.

Die Frage ist, wie wir uns als Kirche aufstellen, wo wir unsere Schwerpunkte in der Verkündigungsarbeit setzen.

Kirche ist Kirche, wenn sie hingeht, sich aufmacht zu denen, die von allein nicht kommen können. In vielen Gemeinden findet ein Besuchsdienst statt und Gottesdienst im Pflegeheim. Ich finde das wichtig, so wichtig wie Andachten im Kindergarten und die Kooperation mit Schulen vor Ort.

Diese Präsenz vor Ort – gerade auch in den Pflegeeinrichtungen mit Blick auf die Altersstruktur des Landkreises - ist unser Dienst.

Kirche ist dort, wo alles anfängt und alles aufhört, wo es vielleicht auch stinkt und nicht schön ist. Dieses Hingehen ist unser Auftrag.

Vielerorts reden wir gar nicht von diesem Hingehen. Wir reden oft von dem, was man sehen kann: von Kirchengebäuden, die wir saniert haben.

Von Bauprojekten, die wir vollendet haben. Aber wir reden wenig von dem, warum vor hunderten von Jahren Kirchen gebaut wurden: vom Gebet, von der Stille, vom Hören auf Gott.

Wenn wir an Kirche denken, ist oft ein Gebäude vor unserem inneren Auge.

Kirche an Christi Statt ist jedoch primär eine Gemeinschaft der Hörenden und sie ist für mich eine Gemeinschaft derer, die einander zeigen, was sie lieben.

Mancher von uns liebt schöne Räume, ein anderer das Gespräch, ein anderer zu helfen und ein Gebet.

Es ist schön, wenn Menschen sich vor Ort um ihre Kirche sorgen, sie sanieren und pflegen. Aber die Aufgabe der Pfarrer kann nicht die Betreuung von Steinen sein. Pfarrer, Lektoren und Prädikanten haben Gottes Wort zu verkünden. Beziehungen zwischen Gott und Mensch und Mensch und Mitmensch zu ermöglichen.

Wir haben 14.600 Gemeindemitglieder und 99 Kirchen. Das macht pro Kirchengebäude 148 Menschen. 148 Menschen, die dieses Gebäude vor Ort erhalten. In manchen Orten sind es noch weniger, weil da gar nicht so viele Menschen wohnen.

Unsere Kirchengebäude sind reiches Erbe und sie sind eine Baulast, die von immer weniger Menschen geschultert werden muss.

In vielen Orten geht das nur noch mit Kirchbauvereinen, mit öffentlichen Geldern, mit dem Engagement der Bürger vor Ort und zugleich stellt sich für uns als Christen die Frage: Was ist unsere Aufgabe vor Ort? Womit zeigen wir uns: nur mit Kirchtürmen oder auch mit einem Gebet für die Stadt? Jede verfallene Kirche ist eine Predigt gegen uns, aber jede Kirche ohne Gemeinde, die sich dort trifft zur Feier des Lebens im Gebet ist auch ein Armutszeugnis für uns.

Und zugleich stellen wir fest: es gibt viele Menschen, die nach Gott fragen, abseits dieser heiligen Räume.

Im Spalatingymnasium gibt es Kinder und Eltern, die nicht getauft sind, die aber Fragen haben: Was ist das eigentlich: Kirche? Wovon redet ihr, wenn ihr sagt: Gott? Was ist das: ein Vaterunser, ein Gebet? Wozu ist das gut?

Wenn wir an solchen Orten als Kirchenkreis nicht Kraft, Zeit und Personal investieren, um vor Ort Fragen zu beantworten, dann haben wir als Kirche etwas falsch gemacht.

Kirche findet auch dort statt, wo gar kein Kirchengebäude steht. Das lässt sich am Spalatingymnasium deutlich ablesen. Dort gibt es eine Gemeinde auf Zeit. Ohne Kirchturm, aber mit Fragen und Gebet.

Es wird eine Frage sein, an der wir in Zukunft arbeiten: wo sind wir präsent und womit? Was sind unsere Arbeits- und Missionsfelder? Was findet in unseren Kirchengebäuden statt und was findet abseits dieser Gebäude an kirchlichem Leben statt? Wo gehen wir gerne hin?

Mit Blick auf die Vielzahl unserer Gebäude werden wir uns fragen müssen, was wo stattfinden wird: Wo sind Orte der Verkündigung und wie nutzen wir jede Kirche als Ort des Gebets.

Die Hauptamtlichen im Verkündigungsdienst werden es nicht schaffen, auch nicht unsere Lektoren und Prädikanten, überall Gottesdienste anzubieten, teilweise für eine kleine Gottesdienstschar.

Aber sonntags die Kirche aufzuschließen und dort eine Kerze anzuzünden und zu beten, ohne Pfarrer, Lektor oder Prädikant – das kann uns keiner verbieten.

Auch der Finanzplan nicht, der immer enger wird.

Das Geld allein macht es nicht, hat mir kürzlich eine Ehrenamtliche geschrieben. Geld allein wird uns nicht retten und es ist auch kein Ersatz dafür, dass wir selber unseren Kindern die Bibelgeschichten weitererzählen und sie einladen zum Gebet.

Ich sehe es als Aufgabe des Kirchenkreises an, diese Ehrenamtlichen und Gemeinden in ihrem Wirken inhaltlich und finanziell zu unterstützen und die Antragsstellung für Zuschüsse zu erleichtern, sei es mit Formularen, die wir entwickeln werden – damit klar ist, was beschreiben und eingereicht werden muss, damit das Geld aus dem Strukturfond auch dorthin kommt, wo es hingehört: in die missionarische Aufbauarbeit der Gemeinde.

Notwendig ist auch, dass wir klären: wer macht was im Kirchenkreis. Bei dem Infotag für Gemeindekirchenräte in Nöbdenitz tauchten da viele Fragen auf:  wer ist eigentlich für was zuständig, wer ist in welchem Ausschuss dabei und welche Verfahrenswege gibt es.

Ich beende diesen Bericht mit einer Bitte: laden Sie mich ein in ihre Gemeinden, gern auch zum Gottesdienst. Ich habe diese Einladung im Oktober in meinem Grußwort an alle Gemeinden ausgesprochen, leider ist es in manchem Pfarramt und Mailverteiler hängen geblieben. Aber was nicht ist, kann ja noch werden!

Schlussbemerkung: Was ist Kirche? Eine Dienstgemeinschaft. Nicht um ihrer selbst willen, sondern immer bezogen auf alle Menschen vor Ort.

Der Dienst am Menschen ist unser Weg zu Gott und unser Auftrag, denn was ihr einem der Geringsten getan habt, das habt ihr mir getan, spricht Jesus Christus.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

Dr. Kristin Jahn, Superintendentin

§ 4
Synodalversprechen

( 1 ) Im Gottesdienst der ersten Tagung der Kreissynode nimmt der Superintendent den Synodalen das folgende Synodalversprechen ab:

„Wollt ihr euren Auftrag als Synodale im Gehorsam gegenüber Gottes Wort, wie es in der Heiligen Schrift gegeben und in den Bekenntnissen unserer Kirche bezeugt ist, und in Übereinstimmung mit den geltenden Ordnungen unserer Kirche treu und gewissenhaft ausführen und darauf bedacht sein, dass das Evangelium von Jesus Christus durch die Kirche zum Heil der Welt in Wort und Tat bezeugt werde?“

Sie antworten mit Handschlag: „Ja mit Gottes Hilfe.“

( 2 ) Später eintretende Synodale geben das Synodalversprechen in der ersten Sitzung, zu der sie erschienen sind, gegenüber dem Präses ab.

( 3 ) Die Verweigerung des Synodalversprechens zieht den Verlust der Mitgliedschaft in der Kreissynode nach sich.



Gemeindesuche

 

Kirchenkreis
Altenburger Land

Superintendenturbüro

Geraer Straße 46
04600 Altenburg
Telefon: 03447/89580-12
Fax: 03447/89580-11
Email: kirchenkreis-altenburgerland@ekmd.de

 

Öffnungszeiten des
Superintendenturbüros

Montag geschlossen
Dienstag und Freitag
von 08.00 - 16.00 Uhr
Mittwoch und Donnerstag
von 08.00 - 12.00 Uhr