Ostern 2021 – mehr als Fleisch und Knochen

Ein Jahr Pandemie. Ein Jahr Pandemie und Kirche. Wir sind drangeblieben an dem, was uns trägt. Wir haben verkündet, was größer ist. Haben gebetet, gelobt und Lieder gesummt oder daheim gesungen. Gott kam ganz nah an unsere Häuser heran, kam auf Handys daher. Das Evangelium lag auf dem Küchentisch, zum Lesen, Mitschauen und Nachhören. All das haben wir in diesen einem Jahr Pandemie erlebt. Und an dieser Stelle Ihnen allen herzlichen Dank! Für das Verständnis, für das Aufbrechen und Mittun!

Altarbild Kirche Mannichswalde (Foto: C. Schlegel)

Wandelkarte Engel mit Stein (Foto: K. Jahn)

Wir haben in dieser Pandemie Einblick erhalten in andere Kirchen durch Zeitungsandachten mit Bildern aus anderen Kirchen, durch Videos, die uns hinaus ins Weite geführt haben.
Wir haben Dinge entdeckt, die so nah waren und die wir so noch nie gesehen haben. Andachten zu dem, was uns umgibt. Wir haben uns selbst auch neu entdeckt, unsere Bedürfnisse, unsre Zerbrechlichkeit, unseren Glauben und was uns trägt.

Der Glaube hat uns verbunden. Auch in den schweren Stunden.

Dass wir unsere Verwandten und Freunden nicht nah sein konnten, als sie krank lagen. Das schmerzt. Dass wir uns von so vielen Menschen nicht verabschieden konnten, so wie sich das für unser Herz gehört – in großer Runde, Seite an Seite, mit Umarmung und Händedruck am Grab – das klagen wir Gott. Das ist und bleibt ein Schmerz. Wir haben viel getragen und ertragen an Einschränkungen, sind tapfer gewesen. Diesen Schmerz klagen wir Gott.

Gott gehört dieser Schmerz, denn Gott selbst weiß darum, um Nähe, die nicht möglich ist und doch so rettend gewesen wäre. Die Bibel erzählt davon in eindrucksvollen Bildern: Da hängt Jesus, Gottes Sohn, am Kreuz und keiner kann helfen, ihn abnehmen, berühren. Er hängt da und keiner kann sein Elend erleichtern. Er ist und bleibt allein. Der einzige, der zu ihm kam, blieb auf Abstand und brachte ihm an einem langen Stock einen vollgesogenen Essigschwamm gegen den Durst und gegen sein langes Leiden. So erzählt es die Bibel. Es gibt Verse in der Passionsgeschichte, die lesen wir in diesen Tagen neu.

Wer weiterliest in der Passionsgeschichte, liest auch vom leeren Grab. Vom Engel, der ins Leben weist. Vom Christus, der aufsteht und mitgeht. Von Jesus Christus, der in Emmaus mit seinen Freunden das Brot wieder bricht, und die Seinen erkannten ihn erst nicht. Erst, als er das Brot bricht, wie eh und je, wurden ihnen die Augen aufgetan, fing das verlorene Glück wieder zu leuchten an, brach sich die Freude ihre Bahn. Und sie brachen das Brot mit all der schmerzlichen Erfahrung im Rücken. Wer weiterliest, liest vom Leben, das ins größere wiederkehrt. Wer weiterliest, ahnt, dass alles Leben nicht nur zerbrechlich ist, sondern mehr ist als Fleisch und Knochen. Kostbar ist dieses Leben. Unser aller Leben, fasst kein Grab. Ostern feiern wir das.

Wir feiern, dass unser Leben größer ist, größer als unser Verstand das fasst, größer als alle Statistiken mit Kranken, Genesenen und Toten. Karfreitag denken wir an alles, was uns erdrückt. An das verlorene Leben und an das Größere. Denn der Tod hat nur das vorletzte, die Hoffnung aber das letzte Wort. Das feiern wir Ostern. Nichts wird so hart bleiben, wie es jetzt gerade ist. In dieser Zuversicht begehen wir Ostern.
In unseren Kirchen liegen derzeit Karten aus, Wandelbilder: Ein Engel mit einem Stein. Der Stein steht für all das, was unser Leben erdrückt und verschließt – er lässt sich abreißen, weglegen, ans Kreuz heften. Übrig bleibt ein Engel. Einer, der sagt, dass das Leben weitergeht. Unsere Kirchen sind geöffnet, wer mag tritt ein und nimmt sich diesen Engel, dieses Hoffnungsbild mit.

Ein fröhliches Osterfest 2021 wünscht Ihnen
Ihre Superintendentin Dr. Kristin Jahn


 

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