Georg
Spalatin
Altenburg
war ein Zentrum der Reformation, in dem Luthers Mitstreiter und
Freund Georg Spalatin (1484 -1545) großen Einfluß
hatte. Spalatin stand von 1508 an im Dienst Friedrich des Weisen.
1515 wurde er Chorherr des Georgenstiftes in Altenburg, das seinen
Sitz auf der Burg hatte. Heute erinnert an diesen Orden noch das
Chorherrengestühl in der Schloßkirche - der ehemaligen
St. Georgskapelle. 1516 berief ihn Kurfürst Friedrich der
Weise in seinen persönlichen Dienst als Privat- und Kanzleisekretär,
Hofprediger und Beichtiger.
Spalatin
begleitete den Kurfürsten zu den Reichs- und Städtetagen
sowie auf zahlreichen Reisen und bekam einen tiefen Einblick in
die Diplomatie und Staatspolitik seiner Zeit. Nach dem Thesenanschlag
1517 in Wittenberg kam es zu heftigen Angriffen gegen Luther und
seine Anhänger. Spalatin erwies sich in diesen Auseinandersetzungen
als Schlüsselfigur sowohl zwischen Luther und Rom, dem Kurfürsten
und Rom als auch zwischen Luther und dem Kurfürsten. Bei
der Begegnung Luthers mit dem päpstlichen Gesandten Kardinal
Cajetan am Rande des Reichstages zu Augsburg 1518 hatte es Luther
Spalatin zu verdanken, daß er heil nach Wittenberg kam.
Bei dem Treffen 1519 in Altenburg im Hause Spalatins unterhalb
der Burg zwischen Luther und dem päpstlichen Gesandten Carl
von Miltitz, der ihn zum Widerruf bewegen wollte, war Spalatin
auf Wunsch des Kurfürsten zugegen. Luther widerrief nicht.
Es kam zu einem Schweigeabkommen.
1521
veranlaßte Spalatin im Anschluß an den Reichstag in
Worms, wo Luther sich und seine Schriften verteidigt hatte, dessen
Entführung auf die Wartburg, um ihn in Sicherheit zu bringen
Er hielt während Luthers zehnmonatigen Aufenthaltes auf der
Wartburg die Verbindung zu ihm aufrecht und schickte ihm seine
eigene Bibel, anhand welcher Luther das Neue Testament übersetzte.
Diese Bibel von Spalatin, versehen mit zahlreichen Randbemerkungen
Luthers, befindet sich heute im Ratsarchiv der Stadt Altenburg.
Nach
dem Tod des Kurfürsten 1525 tritt Spalatin die Nachfolge
des ersten evangelischen Pfarrers in Altenburg, Dr. Wenzeslaus
Link, in der St. Bartholomäikirche an.
1526
ordnete der neue Kurfürst Johann auf Spalatins Vorschlag
für ganz Kursachsen Visitationen aller Gemeinden und Pfarrer
an(1527-1529). Das Jahr 1528 erhielt durch Martin Luther für
die Stadt und das Amt Altenburg nachhaltige Bedeutung; denn auffällig
ist, daß nach diesen Besuchen - am 6. Oktober gleichen Jahres
- die erste, durch Georg Spalatin geleitete Kircheninvisitation
in Altenburg begann.
1528
wird Spalatin zum ersten Superintendenten des Altenburger Sprengels
ernannt (nach Orlamünde 1527 und Jena 1527 der dritte berufene
"Superattendent" im thüringischen Raum). Er war
allerdings auch weiterhin für das Kurfürstentum tätig.
(1526 Reichstag Speyer / 1530 Reichstag Augsburg / 1532 Nürnberg
und Schweinfurt / 1535 Wien).
Der
Chronist hat weitere Besuche von Martin Luther in Altenburg in
den Jahren 1526, 1528,1529, 1530, 1537 und 1542 aufgezeichnet,
wobei im September 1529 mit ihm auch Philipp Melanchthon und Justus
Jonas in der Stadt weilten. Im Oktober 1530 predigte Luther zum
ersten Mal auf dem Schloß in der St. Georgenkirche.
Die
Altenburger Kirchenordnung (1533) läßt die Mitwirkung
Martin Luthers erkennen. Sie nimmt auch Einfluß auf die Entwicklung
der Altenburger Schulen. Im Oktober 1542 ist Martin Luther im Altenburger
Schloß Gast des Kurfürsten Johann Friedrich. Sie beraten
u.a. über die Besetzung der Pfarrstellen.
1545
stirbt Spalatin.
Er
wird in der St. Bartholomäikirche beigesetzt. Eine Steinplatte
im Altarraum und eine Bronzetafel mit einem Mekrolog in Latein
(von J. Stigel, einem Schüler Melanchthons) neben der Sakristei
der St. Bartholomäikirche sowie ein Steinrelief an der Brüderkirche
in Altenburg erinnern an Georg Spalatin.
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